S.158 LEGEND, Dresden
     
  

Die Geschichte Dresdens

 

Das Elbtal bot ab etwa 7500 Jahre v. Chr. gute Siedlungsbedingungen auf den linkselbischen Lößhängen. Die nördlich der Elbe gelegenen Sandflächen, die Abdachung des Erzgebirges oder der durch die Elbe und zufließende Gewässer häufig überschwemmte Auwald der Elbe boten wahrscheinlich schlechtere Bedingungen. Erste Funde stammen aus einer Grabung bei Dresden-Mockritz. Eine bandkeramische Scherbe wird auf ca. 5500 v. Chr. datiert. Jüngere Siedlungsspuren der bandkeramischen Kultur (5500 - 4500 v. Chr.) wurden ebenso hauptsächlich an den linkselbischen Lößhängen, aber auch auf dem Taschenberg (heutiger Standort des Dresdner Schlosses) und vereinzelt an anderen Stellen des Elbtals, sowie im Bereich des heutigen Cottas gefunden.

Die Besiedlung des Elbkessels erfolgte in der Jungsteinzeit durch Nutzer der Bandkeramik. Siedlungen sind unter anderem in Dresden-Nickern und Cotta belegt. Aus Dresden-Cotta stammen auch stichbandkeramische Reste. Am Ende des 6. Jahrhunderts siedelten sich slawische Gruppen aus Böhmen kommend entlang der Elbe an. In Urkunden des 10. und 11. Jahrhunderts wird das Gebiet des Dresdner Elbtalkessels als pagus Nisan bezeichnet. Seine Bewohner nannten sich offenbar Nisani, was soviel wie die Leute in der Niederung heißt.

Auch der Name Dresden ist slawischen Ursprungs und geht auf eine linkselbische westslawische Siedlung zurück, die die Einwohner Drežďany nannten. Der Name geht auf das slawische Wort drežga „Sumpfwald“ zurück und bezeichnet somit die Sumpf- oder Auenwaldbewohner. Auf Slowakisch und Tschechisch heißt Dresden noch heute Drážďany und auf Sorbisch Drježdźany (wendisch Drodln).

Auf dem linken Elbufer deuten Ostra (Ostrow), Poppitz, Fischersdorf, der Taschenberg und Elbberg auf den frühsten Ursprung der Stadt zurück. Nachdem König Heinrich I. 929/30 die Slawen zwischen Saale und Elbe endgültig unterworfen hatte und Meißen Sitz eines Markgrafen und eines Bischofs geworden war, wurde auch das Dresdner Gebiet in die Herrschaftsstrukturen des ostfränkischen Reiches einbezogen. In der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts wurde an der mittleren Elbe eine Reihe von Burgwarden eingerichtet. Das Zentrum eines solchen Burgwards bildete der Burgwall von Briesnitz, ein weiterer Burgward im Gebiet der Weißeritz hatte seinen Mittelpunkt vermutlich in Plauen.

Die günstige Verkehrslage am Elbübergang war bereits durch eine slawische Schiffer- und Fischersiedlung markiert. Hier war die natürliche Verbindung von Franken nach Bautzen. Sitz des Markgrafen und Bischofs war allerdings das strategisch günstiger gelegene Meißen. Durch die Übergabe des hiesigen Lehens an Konrad den Großen von Wettin im Frühjahr 1144 setzte nach vorherigen Grenzstreitigkeiten eine Kolonisationswelle in Nisani, Budisin und Zagost ein, sodass einer Ausbreitung Böhmens über den Grenzwald entgegenzuwirken war. Bevorzugt fränkische Kolonisten siedelten nun in dem Gebiet. Die Begründung einer Kolonistengemeinde (am Orte des heutigen Dresden) wird um das Jahr 1173 vermutet und steht mit den Silberfunden im Erzgebirge in Zusammenhang. Es wird angenommen, dass die erste Burg in Dresden von einem kaiserlichen Beauftragten erbaut wurde und später durch die Burggrafen von Dohna besetzt war, die auch bis weit ins Mittelalter hinein die Gerichtsbarkeit auf der Dresdner Elbbrücke und den dritten Teil des Brückenzolls inne hatten. Der zweite erbliche Markgraf, Otto der Reiche, soll die erste markgräfliche Burg in Dresden erbaut haben.

Dass auf dem linkselbischen Ufer bereits 1206 eine markgräfliche Burg bestanden hat, sollte auch aus der Ortsangabe am Ende des Vertrags vom 31. März 1206 folgen. In einem Fischerdorf dieses Namens dürfte kein Vertragsabschluss zustande gekommen sein. In der Urkunde vom 31. März 1206 , auch in einer Urkunde von 1215, lautet die Schlussformel: Acta sunt hec dresdene. Die Schlussformel am 21. Januar 1216 lautet demgegenüber bereits: Acta sunt hec ... in civitate nostra dresdene.

Dresden wird nun bereits als civitas (Stadt) bezeichnet, es war in diesen zehn Jahren eine befestigte Anlage um ein herrschaftliches Gebäude entstanden. Nach Ansicht von Schmidt wurden bei der Neuanlage die Erfahrungen der Stadtgestaltung Freibergs genutzt. Dort waren 3 Ortslagen mit krummen Gassen und eine Neuanlage mit rechtwinkligen Straßenzügen gemeinsam in einem Mauerring zusammengefasst. Demgegenüber dürfte in Dresden linkselbisch auf dem Taschenberg eine Stadtlage mit rechtwinklig kreuzenden Straßen zugrunde liegen. Diese waren von dem Befestigungsring umgeben. Vom späteren Georgentor (direkt am Fährübergang, wahrscheinlich bald mit Brücke) entlang der Schlossstraße bis zum Markt mit der Stadtkirche (Kreuzkirche), kreuzend mit der Wilsdruffer Straße. Während das bisherige rechtselbische Altendresden mit den Häusern der Schiffer, Töpfer und Fischer an „wildgewachsenen“ Straßen östlich außerhalb des Mauerringes verblieb.





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