S.168 LEGEND, Dresden
     
  

Der zweite Weltkrieg

Verkehr

In Dresden kreuzten sich die Bahnstrecken nach Prag, Berlin, Leipzig, Nürnberg und Breslau. Der Bahnverkehr der gesamten Großregion Berlin - Leipzig - Dresden wurde 1944 im wesentlichen über den Verschiebebahnhof Friedrichstadt, den Hauptbahnhof und den Bahnhof Neustadt abgewickelt. Bedeutung für das Funktionieren der Industrie besaß auch die Bahnstrecke nach Hof und Nürnberg, die die Industriebetriebe Freitals und Bergbaubetriebe im Erzgebirge über den Kohlebahnhof versorgte, sowie der Alberthafen und der Neustädter Güterbahnhof in der Leipziger Vorstadt. Dresden war der drittgrößte Bahnumschlagplatz des Reiches

Industrie

Nach Aussage der USAF waren im Februar 1945 „mindestens 110“ Fabriken und Unternehmen ansässig, die „legitime militärische Ziele“ darstellten. 50.000 Arbeiter seien allein in der Rüstungsindustrie beschäftigt gewesen, darunter auch Zulieferindustrie für den Flugzeugbau. Nach lokalen Quellen gab es Chemische Industrie in Niedersedlitz, die Waffenfabrik Lehmann, die optischen Werke, v. a. Zeiss Ikon an der Schandauer Straße, Junghansstraße und Bärensteiner Straße sowie Emil Wünsche in Reick, Stahlbau Kelle & Hildebrandt in Großluga, sowie Hersteller von Transformatoren und später Röntgengeräte wie Koch & Sterzel AG in Mickten, Universelle und andere Rüstungsbetriebe. Sachsenwerk, Avus und MIAG produzierten mit Kriegsgefangenen in Leuben, die auf dem Gelände des Mühlenwerkes interniert waren. Zwangsarbeiter aus dem KZ Flossenbürg und anderen Konzentrationslagern mussten in der Industrie arbeiten.

Militär

Dresden war 1944/45 die letzte intakte Garnisonsstadt im Rücken der Ostfront. Schon im 19. Jahrhundert wurde die Albertstadt als Militärstadt am nördlichen Stadtrand errichtet und bis 1939 ausgebaut. Es bestanden weitläufige Kasernenkomplexe inklusive Versorgungseinrichtungen mit Gleisanschluss, wie Heeresbäckerei und Metallverarbeitungsbetriebe oder einfache Handwerksbetriebe sowie Exerzierplätze, Kanonenschussbahnen, sowie die Luftkriegsschule und die Heeresoffizierschule. Auch in Mickten, Johannstadt und Strehlen wurden Kasernen eingerichtet. Mitte der 30er Jahre wurde mit dem Bau des Flugplatzes in Klotzsche begonnen, der ab 1940 ausschließlich militärisch genutzt wurde.

Nach dem Ende des Kaiserreiches wurde ab 1921 die Reichswehr in Dresden untergebracht und nach Machtübernahme der Nazis wurde die Stadt ein weiteres Mal militärisch ausgebaut. Die Stadt war Sitz des Wehrbereichskommandos. Das Luftgaukommando IV wurde in Strehlen (südlich der Innenstadt) und die Luftwaffenschule in Klotzsche errichtet. Bei Nickern entstand bei 1939/40 ein weiterer ausgedehnter Kasernenkomplex der Luftwaffe. 1939 standen ca. 20.000 Mann des IV. Armeekorps/Wehrbereichs IV der 6. Armee in Dresden. Im Verlaufe des Krieges sind die regulären Truppenteile an die Front abkommandiert worden. Die Kasernen wurden mit auszubildenden Ersatztruppen wieder aufgefüllt. Im Verlaufe des Krieges wurde die Garnisonsstadt zu einer Lazarett- und Versorgungsstadt, in der auch die bekannten Ballhäuser, Gaststätten und Elbdampfer zu Lazaretten und Lager umfunktioniert wurden. Selbst die Flak wurde an die Front kommandiert. Anfang 1945 waren noch halbausgebildete Soldaten und die Truppen des Volkssturms in Dresden.

„Verteidigungsbereich Dresden-Riesa“, „Festungsbereich Dresden“

Im November 1944 wurden in Dresden zehn Bataillone des Volkssturms rekrutiert und vereidigt. Unter ihnen Einheiten zum Schanzenbau, Panzerjagdkommandos, Nachrichteneinheiten. Sämtliche LKW in Dresden wurden mit Fahrern in zwei Volksturm-Transport-Bataillonen zusammengefasst. Einzelne Bataillone wurden im Januar an die Ostfront abkommandiert, der Großteil blieb jedoch in Dresden kaserniert und wurden wie Heeresoffiziere auch in Schulen ausgebildet. Da die Bewaffnung nach der Versorgung der Wehrmacht, SS und Polizei nicht mehr für die ca. 20.000 Mann starken Truppen aus Volkssturm und Hitler-Jugend reichten, wurden sie zum Stellungsbau abkommandiert.

Bereits am 1. Dezember 1944 befahl Generaloberst Heinz Guderian die Errichtung des Verteidigungsbereiches Dresden-Riesa. Dieser Befehl wurde vorerst geheim gehalten und erst im April 1945 veröffentlicht. Rund um die Stadt sollten Panzersperren, Panzergräben, Schützengräben, Artilleriestellungen und Minenfelder angelegt werden. Die Behörden in der Stadt wurden dem Befehl des Korpsstab unterstellt. Da die deutschen Militärs den Vormarsch der Roten Armee bis an die Elbe erwarteten, sollte die Elbe von Hamburg nach Prag die letzte deutsche Verteidigungslinie darstellen. Auf dem Rückzug aus den besetzten osteuropäischen Gebieten hatte die Wehrmacht gelernt, dass Panzerfäuste und Granaten selbst von Kindern oder Alten auf kürzester Distanz effektiv gegen Panzer eingesetzt werden konnten, und so sollten die Städte zu Festungen werden.

Nach dem Einsetzen des Lubliner Komitees durch die Sowjets in Konkurrenz zur geplanten Nachkriegsregierung in London, sowie durch die Kämpfe der kommunistischen Partisanen gegen britische Truppen in Griechenland unterlagen deutsche Militärs der Illusion, dass die Anti-Hitler-Koalition zerfallen könnte. Für die Elblinie wurde der Befehl ausgegeben: „Halten bis zum letzten!“.

Noch am 7. Mai 1945, einen Tag vor der Bedingungslosen Kapitulation, wurden die Albertbrücke, Carolabrücke und Augustusbrücke durch die Wehrmacht gesprengt.





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