S.164 LEGEND, Dresden
     
  

Napoleonische Zeit

Kurz nach Gründung des Napoleonischen Kaiserreiches entstand im Jahr 1804 das österreichische Kaiserreich unter Kaiser Franz I. Diese Entwicklung leitete die Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ein, die im Jahr 1806, nach der Gründung des Rheinbundes durch Napoleon, vollendet war. Die norddeutschen Staaten, auch Preußen, waren nun eigenständig, was sie zur Beute der Napoleonischen Eroberungspolitik werden ließ. Angesichts der heraufziehenden Gefahr gab Kursachsen seine Neutralität auf und verbündete sich mit Preußen.

Der Kursachsen von Napoleon im Jahr 1806 aufdiktierte Friedensvertrag von Posen beinhaltete auch den Beitritt Sachsens zum Rheinbund. Kaiser Napoleon erhob das bisherige Kurfürstentum zum Königreich Sachsen.

Kurfürst Friedrich August III. wurde am 20. Dezember 1806 als König Friedrich August I. von Sachsen ausgerufen. Auf Krönungsinsignien verzichtete man. Das sächsische Wappen (das Wappen der Askanier mit Rautenkranz) enthielt nun eine Krone.

Bilder: Kurfürst Friedrich August III., ab 1806 König Friedrich August I. von Sachsen (Gemälde von Anton Graff, 1795); rechts: Symbol des Bündnisses: Haarsträhnen von Kaiser Napoleon I. und König Friedrich August.

Bis zum Ende der napoleonischen Herrschaft im Jahr 1813 hielt König Friedrich August I., der in der Vergangenheit viele Geringschätzungen und Demütigungen durch Preußen und Österreich hatte hinnehmen müssen, nun treu zu Napoleon.

Sachsen stellte Napoleon ein Kontingent von 20.000 Soldaten aller Waffengattungen, zuerst für den Feldzug gegen Preußen, zur Verfügung. Frankreich verzichtete im Gegenzug auf die Kriegskontributionen.

Der sächsische König ließ die ständische Verfassung und die alten Verwaltungsstrukturen unverändert, während Preußen - unter der Bedrohung durch Napoleon - tiefgreifende Reformen einleitete.

In Sachsen wurden protestantische und katholische Gottesdienste einander gleichgestellt. Katholische Gemeindekirchen entstanden. Ein königliches Dekret von 1807 schrieb die Freiheit der Religionsausübung fest. (Die sächsische Verfassung von 1831 bestätigte dies, mit der Ausnahme, dass sich keine geistliche Orden etablieren und keine Klöster gründen durften.)

Im Frieden von Tilsit (1807) zwischen Frankreich und dem besiegten Preußen verlor Sachsen zwar die altangestammten Gebiete Gommern, Barby und Mansfeld, erhielt dafür aber den seit 1445 zu Brandenburg gehörenden Cottbuser Kreis, einige bisher noch nicht zu Sachsen gehörenden Lausitzer Gebiete und das Herzogtum Warschau (die durch die polnischen Teilungen zwischen 1793 und 1795 an Preußen gelangten polnischen Gebiete außer Danzig) zugesprochen. Napoleon unterstellte das Herzogtum Warschau - in Bezugnahme auf die sächsisch-polnische Union der Augusteischen Zeit - der sächsischen Regierung. All diese Maßnahmen sorgten - von Napoleon durchaus beabsichtigt - für neue Spannungen zwischen Sachsen und Preußen.

Wegen Napoleons Kontinentalsperre wurde ein großer Teil Europas nun vorrangig mit sächsischer statt britischer Ware beliefert, was Sachsens Wirtschaft enorm belebte. Sachsen stand treu zum Kaiser der Franzosen und versagte anti-napoleonischen und nationalpatriotischen Kräften die Unterstützung. (Erst Napoleons Rußlandfeldzug im Jahr 1812, von dem nur etwa 1.000 der mehr als 20.000 sächsischen Soldaten der Großen Armee zurückkehrten, ließ die öffentliche Stimmung kippen.)

Im Jahr 1809 gelangte die gegen Napoleon kämpfende Schar von Major Ferdinand von Schill bis vor Wittenberg, musste sich dann aber aus Sachsen zurückziehen. Im Lützowschen Freikorps kämpfte der Dichter Theodor Körner (1791-1813), der Sohn des Dresdner Appellationsrates und Kunstmäzens Christian Gottfried Körner (ein Förderer Friedrich von Schillers). Im Jahr 1809 rückte die gegen Napoleon kämpfende Schwarze Schar des Herzogs von Braunschweig-Oels in Zittau ein, wurde aber wieder zurückgeschlagen.

Während die sächsischen Truppen im Jahr 1809 an der Seite Napoleons gegen Österreich kämpften (Schlacht bei Wagram), gelang den Österreichern die Besetzung Westsachsens bis hin nach Dresden. Der sächsische König floh nach Frankfurt/Main. Dieser Krieg endete noch im selben Jahr. Zum Dank für die 13.000 Soldaten, die ihm Sachsen im Krieg gegen Österreich zur Verfügung gestellt hatte, fügte Napoleon im Jahr 1809 Krakau und das bisher österreichische Neu-Galizien dem unter sächsischer Regierung stehenden Herzogtum Warschau hinzu und erhob dieses zum Großherzogtum.

Die auf dem Landtag von 1811 durch die Ritterschaft und die Städte (die Stiftsgebiete und die beiden Lausitzen besaßen noch eine beträchtliche Selbständigkeit im Königreich) gemachten Vorschläge zur Straffung der Landesverwaltung scheiterten an der konservativen Einstellung des Königs.

Ende März 1812 verließ ein 21.000 Mann starkes, unter dem Kommando des französischen Generals Reynier stehendes sächsisches Armeekorps mit 7.000 Pferden und 48 Geschützen das Land, um am Feldzug gegen Rußland teilzunehmen. Nur wenig mehr als eintausend Soldaten kehrten im Frühjahr 1813 wieder zurück. Am 14. Dezember 1812 machte der aus Rußland zurückkehrende Kaiser Napoleon in Dresden Station.

Die Kämpfe der Befreiungskriege griffen im Jahr 1813 auf das Königreich Sachsen über - Sachsen wurde zum Hauptkriegsschauplatz. In jenem Jahr weilten außer Kaiser Napoleon I. auch Zar Alexander I. von Rußland, König Friedrich Wilhelm II. von Preußen und viele Generäle in Sachsen.

Enorme Schäden und Verluste entstanden und die Bevölkerung litt große Not. Die Kriegshandlungen kosteten zehntausende militärische und zivile Opfer. Die nun kreuz und quer durch das Land ziehenden Truppen brachten außerdem verheerende Seuchen mit.

Zu Beginn des Jahres 1813 drangen Kosaken in die Lausitz ein. Der sächsische König floh von Dresden nach Plauen, im März weiter nach Regensburg und im April über Linz nach Prag. Die Franzosen sprengten im März die Elbebrücken von Meißen und Dresden. Am 22. März drangen die Russen in die Dresdner Neustadt und am 27. März in die Altstadt vor.

Napoleon, der mit seinem Sieg bei Lützen am 2. Mai 1813 die Elbe-Linie zurückgewonnen hatte, besetzte Dresden und nötigte den sächsischen König zur Rückkehr (am 12. Mai). Der König musste den Franzosen die Festung Torgau öffnen und das sächsische Heer zur Verfügung stellen.

Die Stadt Bischofswerda brannte beim Vormarsch der Franzosen auf Bautzen am 12. Mai 1813 nach Plünderungen fast vollständig ab. Die Verwundeten der Schlacht bei Bautzen brachte man auf Schiebböcken nach Bischofswerda, einige auch bis nach Dresden.

Das östlich von Bautzen stehende Barockschloss Wurschen und Schloss Nöthnitz bei Dresden spielten in dieser Zeit eine wichtige Rolle als Hauptquartier der Feldherren. Hier residierte auch Zar Alexander I.

Nach dem Sieg Napoleons in der Schlacht bei Bautzen am 20./21. Mai 1813 zogen sich die antinapoleonischen Alliierten bis nach Schlesien zurück. Am 4. Juni vereinbarten die kämpfenden Parteien in Poischwitz bei Jauer einen vorübergehenden Waffenstillstand.

Ab dem 12. August 1813 rücken die Verbündeten wieder nach Sachsen vor. Napoleon zog am 7. Oktober aus Dresden ab und sammelte seine Truppen bei Leipzig, wo sich ihm auch König Friedrich August I. anschloss.

Die vom 16. bis zum 19. Oktober 1813 dauernde Völkerschlacht bei Leipzig, in der eine halbe Million Soldaten kämpften, gilt als erste Massenschlacht der Neuzeit. Die am 17. Oktober von Torgau kommenden sächsischen Truppen kämpften bis zum 18. Oktober unter Napoleon, dann liefen sie zu großen Teilen zu den Alliierten über. Am 19. Oktober wurde der sächsische König in der erstürmten Stadt Leipzig gefangen genommen und als Kriegsgefangener nach Berlin gebracht, wo er bis zum Sommer 1814 im Berliner Schloss und anschließend bis Februar 1815 im Schloss Friedrichsfelde untergebracht war. Die französische Garnison Dresdens (etwa 30.000 Mann) kapitulierte am 11. November 1813.

Die Siegermächte erklären das Königreich Sachsen zusammen mit dem Herzogtum Altenburg und den Reußischen Ländern zum preußisch-russischen Generalgouvernement. Dieses war Teil des am 21. Oktober 1813 gebildeten "General-Gouvernement der Hohen Verbündeten Mächte" unter Reichsfreiherr vom und zum Stein. Der russische Fürst Repnin-Wolkonski amtierte vom 9. Dezember 1813 bis zum 9. November 1814 als Generalgouverneur von Sachsen.

Sachsen stellte nach dem Beispiel der "Lützower Jäger" ein etwa 3.000 Mann starkes, aus Spenden finanziertes "Banner der freiwilligen Sachsen" gegen Napoleon auf, das unter anderem an der Belagerung von Mainz mitwirkte. Diesem Banner gehörten viele der Soldaten an, die während der Völkerschlacht bei Leipzig übergelaufen waren. Das Banner paradierte am 17. Juli 1814 in Wurzen noch einmal vor dem russischen Zaren, dann wurde es in Dresden größtenteils beurlaubt.

Ein 14.000 Mann starkes, von General Johann Adolph von Thielmann kommandiertes sächsisches Heer marschierte in den Niederlanden ein und war auch am Sieg bei Waterloo im Juni 1815 beteiligt. Der von Wellington geführten Besatzungsmacht in Frankreich gehörten 5.000 Sachsen an.

Trotz seines (späten) Wechsels auf die anti-napoleonische Seite erfuhr das Königreich Sachsen, im Gegensatz zu anderen Rheinbundstaaten, keine Schonung, was vor allem auf das Betreiben Preußens zurückzuführen war. Zwar erhielt Sachsen im zweiten Pariser Frieden anderthalb Millionen Taler französische Kontributionen zugesprochen, doch im Ergebnis des Wiener Kongresses von 1815 verlor es etwa 58 Prozent seines Territoriums und 42 Prozent seiner Einwohner an den nördlichen Nachbarn Preußen und wurde so zum kleinsten Königreich Deutschlands. Dass nicht ganz Sachsen preußisch wurde, war der Furcht Englands und Österreichs vor einer allzu starken preußischen Großmacht zu verdanken.

An das Königreich Preußen fielen die Niederlausitz, der östliche Teil der Oberlausitz (unter Aufhebung der böhmischen Erbansprüche), Teile der Kreise Leipzig und Meißen, der Thüringische Kreis und der Kurkreis Wittenberg. Der Neustädter Kreis wurde dem ernestinischen Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach zugeordnet. (Diese neue Grenzlage blieb bis 1945 bestehen.)

Am 22. Mai 1815 verzichtete König Friedrich August I. in Schloss Laxenburg bei Wien auf das Großherzogtum Warschau, das als "Kongresspolen" an Rußland fiel.

Mit einer Verordnung vom 22. Mai 1815 gab sich Sachsen die Landesfarben Weiß-Grün. Den am 7. Juni 1815 nach Dresden zurückkehrenden König empfingen seine Landsleute mit weiß-grünen Fahnen.

Das Generalgouvernement Sachsen wurde am 6. Juni 1815 aufgelöst. Seit November 1814 waren der preußische Staatsminister von der Beck und der preußische Generalmajor von Gaudi Leiter des Generalgouvernements gewesen. Sie wurden nun mit dem Aufbau der preußischen Verwaltung in den an Preußen gefallenen sächsischen Gebieten betraut.

Die herben Verluste an Territorium und Bevölkerung konnte Sachen in der Folgezeit zum Teil durch eine enorme wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung kompensieren. Ab 1815 ist die sächsische Geschichte im wesentlichen eine Wirtschafts- und Kulturgeschichte, während sich die politische Rolle Sachsens fast nur noch auf eine vermittelnde und ausgleichende Position zwischen Preußen und Österreich reduzierte.

Die starke Industrialisierung Sachsens verschärfte die sozialen Probleme mehr als anderswo in Deutschland und ließ eine starke Arbeiterbewegung entstehen, deren politische Kraft bald weithin ausstrahlte.

Am 8. Juni 1815 wurde das Königreich Sachsen Mitglied des Deutschen Bundes, der sich die Erhaltung der äußeren und inneren Sicherheit Deutschlands und die Souveränität der Mitgliedsstaaten zum Ziel gesetzt hatte. Sachsen, das mit einer Stimme in der Bundesversammlung vertreten war, musste eine landständische Verfassung einführen, gleiche Rechte und Pflichten für alle christlichen Konfessionen garantieren, die Lage der Juden verbessern und allen Einwohnern des Bundes vereinheitlichte Rechte einräumen (z.B. freier Erwerb von Grundeigentum, Reisefreiheit, Zivil- und Militärdienste in einem beliebigen Bundesstaat).





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