S.181 LEGEND, Dresden
     
  

Das "Blaue Wunder"

Der erste Spatenstich erfolgte am 28. April 1891. Am 15. Juli 1893 wurde das Bauwerk feierlich für den Verkehr freigegeben. Vier Tage zuvor hatte es eine Belastungsprobe gegeben. Bilder zeigen: Damals hatte man alles Schwere auf einmal über die Brücke rollen lassen - von Pferden gezogene Walzen, mit Steinen und Schiffsankern beladene Straßenbahnwagen, Wassersprengwagen, eine Kompanie des Dresdner Jägerbataillons sowie diverse Pferdewagen und Kutschen.

Etwa 20 Jahre war über das Bauvorhaben diskutiert und gestritten worden, bevor die Bauleute endlich beginnen konnten. So solen schon 1872 Verhandlungen zwischen den fünf zwischen Loschwitz und Pillnitz liegenden Gemeinden über den Baue einer Elbbrücke gelaufen sein. Der erste Brückenplan stammt von 1881.

Gebaut wurde das Blaue Wunder nach den Plänen von Claus Köpcke und Hans Manfred Krüger. Sie haben eine Hängebrückenkonstruktion weiterentwickelt. Der Stahlbau gilt als Meisterwerk der Ingenieurkunst. Die äußere Form wird hauptsächlich von der Statik diktiert - ein Gelenkträger erstreckt sich über drei Felder. Das gesamte Brückenmaterial wiegt rund 3200 Tonnen. Das Stahlgerüst wurde in der ehemaligen Königin-Marien-Hütte in Zwickau gefertigt.
Claus Köpcke hat bei den Planungen Weitsicht bewiesen. So ließen sich 1900 die Straßenbahngleise für die elektrische Bahn umbauen, zuvor führ eine Pferdestraßenbahn über die Brücke. 1935 verbreiterte die Stadt die Fahrbahn und brachte zusätzliche Fußgängerwege an - mit Holzboden, wahrscheinlich aus statischen Gründen. Die Baukosten von 2,26 Millionen Mark wurden übrigens über einen Brückenzoll refinanziert. Kassiert wurde dieser bis 1923. Anfangs waren es 3 Pfennige pro Fußgänger.

Rund 35.000 Fahrzeuge fahren heute täglich über das Blaue Wunder - mit durchschnittlich 16 Stundenkilometern. Oft stehen sie zuvor im Stau. Sollte die Waldschlösschenbrücke gebaut werden (dazu Bürgerentscheid am 27.02.05), könnte es zu einer Entlastung von 3.000 bis 4.000 Fahrzeugen pro Tag kommen.

"Um die Brücke instand zu halten, geben wir jährlich etwa 134.000 Euro aus", sagt Reinhard Koettnitz, Chef des Straßen- und Tiefbauamtes der Stadt. Nach Gutachten aus dem Jahre 1997 hält die Brücke noch mindestens 30 Jahre - vorausgesetzt, sie wird immer gut gewartet, und es dürfen sie auch weiterhin keine Fahrzeuge mit mehr als 16 Tonnen Gewicht passieren.
Da erfahrungsgemäß Planungen zum Brückenbau in Dresden langwierig sind, müsse sich die Stadt bald überlegen, was nach 2027 wird, rät Koettnitz. Die letzte große Reparatur war 2003. Da wurden die Fahrbahndecke und die Entwässerung erneuert. "Das Scheitelgelenk müssen wir wahrscheinlich im nächsten, spätestens übernächsten Jahr austauschen. Dazu muss die Brücke gesperrt werden", kündigt der Straßen- und Tiefbau-Chef an. Dauer noch unbekannt.

Trotz allen Lobes für die Brücke soll die Konstruktion von Anfang an Macken gehabt haben. Aufgrund eines Berechnungsfehlers steht schon seit Ende der 1940er Jahre ein Lager still. Dadurch kommt es zu einem schlagenden Geräusch. Aber das sei nicht gefährlich.





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