S.176 LEGEND, Dresden
     
  

Die Frauenkirche

Der am 15. März 1666 in Fürstenwalde (Erzgebirge) geborene George Bähr wurde nach der Wanderschaft als Zimmermannsgeselle 1693 in Dresden ansässig. Er begann als Zimmermann und wurde 1705 oberster Ratszimmermeister der Stadt Dresden. Nebenher studierte er Mechanik. Er wurde zum führenden protestantischen Barockarchitekten in Dresden. 1705 bis 1708 begann er mit seinem ersten Bau und errichtete die Pfarrkirche von Dresden-Loschwitz auf langgestrecktem, achteckigem Grundriss und anschliessend die Waisenhauskirche 1710. Den beiden folgten die Kirchen in Schmiedeberg (1713-16) und Forchheim (1719-26). Für beide Kirchen legte er die Form eines griechischen Kreuzes zugrunde.

Im Jahr 1722 wurde George Bähr mit der Planung eines Neubaus der Kirche "Zu unser lieben Frauen" beauftragt, welcher am 26. August 1726 unter seiner Leitung begann. Sein Hauptwerk war die Frauenkirche in Dresden (1726-43), die größte protestantische Kirche in Deutschland. Von 1732-39 beaufsichtigte Bähr den Bau der ursprünglich von Pöppelmann entworfenen Dreikönigskirche in Dresden-Neustadt. Leider konnte der Ratszimmermeister sein Meisterwerk nicht vollendet sehen, da er am 16. März 1738 verstarb. Als Todesursache wurde laut offizieller Kirchenbucheintragung "Stickfuß und Verzehrung" angenommen. Tatsächlich sind die Umstände seines Todes aber bis heute ungeklärt.

Zuerst wurde er auf dem Johannisfriedhof vor dem Pirnaischen Tor begraben, jedoch 1854 wurden die sterblichen Überreste George Bährs in den Gewölben der Frauenkirche beigesetzt.

In über 200 Einzelteile zerfallen, wurde sein Grabstein kurz vor Abschluss der archäologischen Enttrümmerung aufgefunden. 1996 hat man nach mühevoller, einjähriger Restauration das Werk Johann Christian Feiges d.Ä. wieder in der Unterkirche aufgestellt.

Das Grabmahl trägt folgende Inschrift: "Nun hab ich genug gelebt, gebaut, gelitten. Mit Satan, Sünd und Welt genug gestritten. Jetzt liegt ich in dem Bau, der droben prangt. Hab vollen Sieg und Ruh und Fried erlangt. Nehmet, Liebste, Gott zum Mann und Vater an. In dessen Treu niemand verderben kann."

Die Frauenkirche George Bähr`s Meisterstück

Die Ruine der Frauenkirche auf dem Neumarkt war bis vor wenigen Jahren Mahnmal für die sinnlose Zerstörung Dresdens am Ende des Zweiten Weltkrieges. Heute, da die Trümmer wieder zusammengefügt werden, ist sie ein Symbol für Versöhnung und Toleranz, für Wiederaufbau und gewachsenes Selbstbewußtsein der Stadt. Georg Bährs Frauenkirche bildete den Höhepunkt des barocken protestantischen Kirchenbaus. Ihre konkav geschwungene, glockenförmige und gleichsam schwebende Sandsteinkuppel ist ein Novum der damaligen Baukunst und war bis zu ihrer Zerstörung weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadtsilhouette. Die barocke Ausgestaltung des Altarraums übernahm Johann Gottfried Feige, die Ausmalung der Kuppel Giovanni Battista Grone. 1736 ertönte in der Kirche erstmals die Silbermannorgel, auf der am 1. Dezember 1736 auch Johann Sebastian Bach spielte. Die Frauenkirche war berühmt für ihre Akustik. In einigen Jahren wird sie dank der Unterstützung von Menschen aus aller Welt in ihrer vollen Schönheit erstrahlen.

Chronik der Frauenkirche

Planungsbeginn durch Ratszimmermeister auf Grundlage eines nicht genehmigten Entwurfes des Oberlandbaumeisters Johann Christoph Knöfel.

26. August 1726
Grundsteinlegung
1726 - 1734
Bau der Kirche; Heftiger Streit zwischen Bausachverständigen veranlasst den Rat, die Arbeiten zu stoppen. Doch August der Starke entschied den Weiterbau nach Bährs Konzepten. Weihe der Kirche mit dem ersten Gottesdienst Bähr stirbt, doch sein Werk ist noch nicht vollendet. Er wird in der Frauenkirche beigesetzt.
27. Mai 1743
Aufsetzung des Turmkreuzes auf die Aussenkuppel
1938
Statische Untersuchungen weisen Bährs Irrtum nach, dass die Last der Kirchenkuppel sich auf die Aussenmasse verteilt. Die Last auf den Pfeilern war um ein vielfaches zu hoch.
13. Februar 1945
Erst am Mittag des 14. Februar 1945 bricht die Kirche, mittlerweile total ausgebrannt, in sich zusammen.
1949 - 1989
Nach dem Krieg galt der Trümmerberg der Frauenkirche als "Mahnmal an zehntausende Tote... zum Kampf gegen imperialistische Barbarei, für Frieden und Glück der Menschheit".
Januar 1993
Beginn der archäologischen Entrümpelung
27. Mai 1994
Symbolische Grundsteinlegung zum archäologischen Wiederaufbau der Frauenkirche.
August 1995
Weihe der Frauenkirche mit einem Gottesdienst vom Landesbischof Volker Kress. Die sanierte Krypta der Kirche steht fortan für Andachten und Konzerte zur Verfügung.
April 2004
Der Steinbau der Frauenkirche wird mit dem Schlussstein abgeschlossen. bereits seit Januar ist Dresdens Silhouette wieder hergestellt. Ende Juni 2004 erhält die Kirche die kupfergedeckte hölzerne Turmhaube samt dem vergoldeten Kreuz.
 





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