S.174 LEGEND, Dresden
     
  

Die Semperoper

Ende des 16. Jahrhunderts war die kursächsische Staatskapelle, in der teilweise auch schon Opern aufgeführt wurden, nicht mehr repräsentativ und groß genug. Größere Aufführungen und Feste fanden im Freien vor der Holzfassade des Zwingers statt.

Innerhalb eines Jahres wurde 1718 in der Nähe des heutigen Standortes ein großes Opernhaus gebaut. Der Baumeister J. A. Haase galt als Begründer des italienischen Stils in Dresden.

Im Jahre 1755 wurde ein weiteres Theater in Dresden fertig gestellt. Um es vom Opernhaus abzugrenzen, bekam es den Namen „kleines Hoftheater“. Im kleinen Hoftheater wurde u. a. Mozarts „Entführung aus dem Serail“ aufgeführt, Carl Maria von Weber wurde 1817 Kapellmeister und blieb es bis an sein Lebensende. Auch Richard Wagner verwirklichte viele seiner Werke in Dresden.

Die erste Semperoper

1838 begann Gottfried Semper dann mit dem Bau des „Ersten Königlichen Hoftheaters“. Der Rundbau in den Formen der italienischen Frührenaissance wurde als eines der schönsten europäischen Theater berühmt.

Gottfried Semper und Richard Wagner mussten 1849 durch ihre Beteiligung an den Maiaufständen fliehen und durften viele Jahre lang sächsischen Boden nicht mehr betreten (Semper schuf in dieser Zeit im Ausland z. B. das Wiener Burgtheater).

Die zweite Semperoper

Nach der Zerstörung der ersten Semperoper 1869 durch einen Brand wurde bereits 1871 mit dem Bau des Zweiten Königlichen Hoftheaters begonnen.

Während der Bauarbeiten durfte Gottfried Semper immer noch nicht nach Sachsen zurückkehren. Auf Bitten der Dresdner Bevölkerung entwarf er den Bau deshalb aus der Ferne und übertrug die Leitung der Bauarbeiten an seinen Sohn Manfred.

Sieben Jahre nach Baubeginn wurde die Oper mit der Aufführung von Webers "Jubelouvertüre" und Goethes "Iphigenie auf Tauris" eingeweiht. Die neue Oper war bei weitem größer als die abgebrannte alte Oper und war weiter nach hinten verlagert worden, um mehr Raum für den Theaterplatz zu gewinnen.

Die neue Oper war ein Bau der italienischen Hochrenaissance und passte damit zum erst kurz zuvor eröffneten Semperbau am Zwinger.

Bis zur kriegsbedingten Schließung der Semperoper am 31.08.1944 fanden in dieser „Zweiten“ Semperoper 51 Ur- und 120 Erstaufführungen statt.

Am 13.02.1945 wurde die Stadt Dresden bei Bombenangriffen zerstört. Auch die Semperoper wurde davon schwer betroffen. Es exisitierten nur noch die Außenmauern und einige Skulpturen.

Im Gegensatz zu vielen anderen historischen Gebäuden Dresdens gingen die Ruinen jedoch nicht bei den Aufräumarbeiten verloren. Bereits 1952 wurde die Außenfassade der Semperoper gesichert und damit ein späterer Aufbau ermöglicht.

Die dritte Semperoper

1977 wurde dann der Grundstein für die neue „Dritte“ Semperoper gelegt. Sie wurde weitgehend originalgetreu rekonstruiert. Um den veränderten Anforderungen an moderne Bühnen gerecht zu werden, nahm man allerdings kleinere Änderungen vor. So wurde die Anzahl der Sitzplätze auf 1.300 reduziert und das Bühnenhaus verbreitert.

Für bessere Sichtverhältnisse verzichtete man beim Wiederaufbau auch auf die Unterteilung des Zuschauerraums in einzelne abgeschlossene Logen.

Drei moderne Anbauten an der Semperoper beherbergen die Probebühnen, Garderoben, Verwaltungsräume und ein Restaurant.

Am 13.02.1985 wurde mit der Aufführung von Webers „Freischütz“ die dritte Semperoper eröffnet.

Die Flut

Leider wurde die Semperoper im August 2002 schwer durch die „Jahrhundertflut“ beschädigt. Elbwasser drang bis zu 8 Meter hoch in die Semperoper ein. Die Kellergeschosse und Treppenhäuser wurden teilweise schwer beschädigt. Auch die Technik der Semperoper wurde stark in Mitleidenschaft gezogen.

Ein Rundgang durch die Oper

Bereits von außen gibt sich die Semperoper mit ihrer 84 Meter breiten halbrund geschwungenen Fassade als klassischer Theaterbau zu erkennen.

Über dem prunkvollen Eingangsportal sehen Sie die Panther-Quadriga von Johannes Schilling.
In den Nischen der Außenfassade werden berühmte Dichter dargestellt. Den Eingang flankieren Ernst Rietschels Darstellungen von Goethe und Schiller.

Durch das prachtvolle Hauptfoyer gelangt man ins Innere. Alle Innenräume sind mit Bildern und Deckengemälden geschmückt. Reich verzierte Leuchter an den Wänden erhellen das Opernhaus.

Werfen Sie einen genaueren Blick auf die Marmorsäulen und Holzvertäfelungen. Sie bestehen weder aus Marmor noch aus Holz sondern aus Gips. In aufwändigen Verfahren, für die bei der Rekonstruktion ab 1977 das alte Handwerk erst wieder erlernt werden musste, werden die Materialien täuschend echt imitiert.

Eine Augenweide ist natürlich der Zuschauerraum, den man über das geschmackvolle Treppenhaus und die Wandelgänge erreicht. Die Atmosphäre im Zuschauerraum ist einmalig: der Kronleuchter, die Königsloge, die reichen Verzierungen – All das lässt die Vorstellung des historischen königlichen Theaters wieder aufleben.

Ohne optische Einbußen ist die Oper nach dem Wiederaufbau dennoch komfortabler geworden. Der Zuschauerraum wurde etwas verbreitert und die Sitzplatzanzahl reduziert. Bei einer Aufführung kommt man dadurch in den Genuß bequemer Stühle mit einer modernen Klimatisierung. Auch die Bühnentechnik, die heutigen Anforderungen gerecht wird, wurde raffiniert versteckt. (Wer vermutet hinter diesen Leuchten schon die Lautsprecher).
Die Sichtverhältnisse wurden beim Wiederaufbau ebenfalls verbessert – Es gibt keinen 5. Rang mehr und die Logenabtrennungen wurden nur noch angedeutet.

Die Akustik im Raum ist exzellent und angeblich besser als die der Mailänder Scala. Hier zeigt sich die wahre Genialität Sempers. Mit perfekt platzierten Schall-Reflektoren („getarnt“ als Schmuckornamente) und einer gewölbten Decke hat er eine perfekte Akustik erreicht. Auch mithilfe der heutigen technischen Kenntnisse und Akustikmessungen an Modellen durch die Universität in Dresden konnte die Akustik nicht weiter verbessert werden.

Die 13 Meter breite Bühne ist ein Meisterwerk moderner Bühnentechnik. Sie besteht aus 4*4 Meter breiten Feldern, die gehoben, gesenkt oder gekippt werden können. Der Orchestergraben ist herauffahrbar und kann somit die vorhandene Bühnenfläche vergrößern.





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