S.194 LEGEND, Dresden
     
  

Der Dresdner Christstollen

 

Nach der Überlieferung war es die Idee des Hofbäckers Heinrich Drasdo, den vorweihnachtlichen Fasten-stollen zum Weihnachtsfest mit reichhaltigen Zutaten wie z.B. Früchten zu ergänzen. Er schuf aus dem mageren Fastengebäck erstmals dieses reichhaltige Festgebäck.

Anno 1474“ erscheint der Begriff „Christbrod“ auf einer Rechnung an den Dresdner Hof. Die in Dresden ortsübliche Bezeichnung für den Stollen war damals „Striezel“. Der Dresdner Striezelmarkt, ältester Weihnachtsmarkt Deutschlands, verdankt diesem traditionsreichen Gebäck seinen Namen. Seit 1500 wurden in Dresden „Christbrod uff Weihnachten“ verkauft. Ab 1560 übergaben die Sächsischen Bäcker ihrem kurfürstlichem Landesherrn alljährlich zum heiligen Fest zwei Weihnachtsstollen von 1,50 Meter Länge und 36 Pfund Gewicht. Acht Meister und acht Gesellen trugen sie zum Schloss. Im Jahre 1730 ließ August der Starke einen Riesenstollen von 1,8 Tonnen backen, der in 24.000 Portionen aufgeteilt wurde. An dieses Ereignis knüpft das jährlich am Sonnabend vor dem 2. Advent in Dresden stattfindende Stollenfest auf dem Striezelmarkt an. Belegt ist, dass die Bäcker aus den Städten Siebenlehn und Meißen seinerzeit sehr bekannt für ihre Stollen waren. Siebenlehner Bäcker brachten „fuderweise“ Stollen nach Dresden, sehr zum Unmut der dortigen Bäckerzunft. Erst nach Ende des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1648 konnten sich die Dresdner Bäcker das Privileg erkämpfen, nur noch eigene Stollen auf dem Striezelmarkt zu verkaufen.


In eigener Erinnerung wurde in meiner Kindheit, weit vor Weihnachten alle Zutaten des Dresdner Stollens zusammengetragen und eine Woche vor Heiligabend wurde der Teig zu Hause selbst geknetet. Dieser Teig wurde dann, meistens früh so bis 10.00Uhr, auf einem Stollenbrett, zugedeckt mit einem Leinentuch und versehen mit Namensschildern (dies waren kleine dreieckige Aluschilder) zum nächsten Bäcker gebracht. Dort wurde der Teig, das Brett und die Namensschilder dem Bäcker übergeben. Dieser buck den Teig zu einem leckeren Stollen.


Am späten Nachmittag ging es dann wieder zum Bäcker und die fertigen Stollen, so 10 Stück waren es mindestens, wurden auf dem auf den Stollenbrettern nach Hause getragen. Dabei wurde die ersten Rosinen  aus dem Stollen gemopst und es gab den ersten Anpfiff.


Zu Hause wurde die Stollen mit einem Leinentuch abgedeckt und kühl gestellt, bis diese abgedrocknet waren. Das konnte so eine Woche dauern. Der erste Stollen wurde zum Heiligen Abend aus seinem Versteck geholt, mit warmer Butter bestrichen und mit Puderzucker bestreut. Das mußte mindesten 3 mal wiederholt werden, damit der Zucker auch schön dick auf dem Stollen angehaftet hatte. Lecker!! Das letzte Stück Stollen haben wir dann so um Ostern gegessen.

 

Nachdem der Name „Dresdner Stollen“ von allen Bäckern frei verwendet werden konnte und dies auch üblich war, wurde der Stollen Bestandteil der Einigungsgespräche zwischen der Bundesrepublik und der DDR. In der Folge wurde „Dresdner Stollen“ nach der Wiedervereinigung Deutschlands als geographische Herkunfts-angabe und danach auch als eingetragene Marke geschützt. Die Bezeichnung „Dresdner Stollen“ darf seit 1997 nur für im Raum Dresden gebackene Stollen verwendet werden. Über die Bezeichnung „Original“ Dresdner Stollen wacht der „Schutzverband Dresdner Stollen“, der die Interessen von etwa 150 Bäckern und Konditoren im Dresdner Raum vertritt.

 

Auf Betreiben des „Schutzverbandes Dresdner Stollen“ und eines Urteils des Kammergerichts Berlin vom 26. März 1996 sind Dresdner Stollen jetzt als geografische Herkunftsangabe geschützt und als solche auch beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragen. Durch einen ausdrücklichen Verzicht des Bundesgerichtshofs vom 17. April 1997 auf eine Revision gegen diese Entscheidung dürfen „Dresdner Stollen“ nunmehr ausschließlich von Backwarenherstellern in Dresden oder der näheren Umgebung in Verkehr gebracht werden. Man unterscheidet nach den Details der Zutaten „Echter Dresdner Stollen“, „Echter Dresdner Christstollen“ und „Original Dresdner Christstollen®“.

Dresdner Stollen enthalten mindestens 3 kg praktisch wasserfreier Fette, davon mindestens 50% Milchfett auf je 10 kg Mehl oder Stärken. Es werden mindestens 7 kg Trockenfrüchte, bevorzugt Rosinen, auch Zitronat und Orangeat, und mindestens 1 kg Mandeln zugefügt. Eine Zugabe von Persipan ist nicht üblich.

 

Nach einem über 100 Jahre alten Rezept enthält der Dresdner Stollen bei 3 Pfund Mehl:

  • 300 g Zucker,
  • 1¼ Pfund Butter,
  • ¼ Pfund Rindertalg (heute besser Schmalz),
  • 1½ Pfund Rosinen, in Rum eingeweicht,
  • ¾ Pfund Zitronat,
  • ¾ Pfund Mandeln,
  • 110 g Hefe,
  • 1 Prise Salz,
  • abgeriebene Zitronenschale,
  • ca. ¼ l Milch.

 





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