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Susi im Hubschrauber!

Unsere Disponentin Susanne Wallrabe war 2 Tage in unserer Notrufzentrale, Hirschfelder Straße, vom Hochwasser eingeschlossen und wurde schließlich aus der Luft evakuiert. Lesen Sie hier ihren spannenden Bericht von damals:

Die Jahrhundertflut 2002, oder: mein längster Arbeitstag ...

 

Am 12. August 2002 meldete ich mich, vor meinem Dienstbeginn, in der Fahrschule zum Motorradführerschein an und alle machten noch Witze das ein Bootsführerschein wohl nützlicher wäre. 6 Stunden später war dieser Scherz nicht mehr ganz so witzig.

Mein Dienst begann noch völlig normal: gegen 19 Uhr kamen die ersten Aufträge von Kunden, die im Hochwasser standen. Auch das war noch nichts ungewöhnliches, da es ja bereits sein 2 Tagen stark regnete.

Gegen 21 Uhr stand dann auch unser Firmengelände ca. 10 cm unter Wasser. Die noch auf dem Hof befindlichen Fahrzeuge wurden, soweit es möglich war, auf die vorhanden Schlepper und Hänger gestellt. Max, unseren "Wachschutz" (ein treuer Schäferhund, der normalerweise in einem großen Zwinger vor dem Gebäude seinen "Dienst" leistet) wurde vorsichtshalber ins Haus geholt.

Gegen 24 Uhr gab es keine befahrbare Zufahrt zum Firmengelände mehr, weil schon alles überflutet war. Mittlerweile war der Wasserstand überraschend hoch gestiegen und es entwickelte sich in den Fluten eine sehr starke Strömung.

Langsam wurde es mir unheimlich und ich fragte mich, wie hoch denn das Wasser wohl noch steigen würde. Sicherheitshalber wurden die Türen der Büros aufgebrochen und PCs und andere Wertgegenstände aus dem Gefahrenbereich gebracht.

Als um 1 Uhr der Strom ausfiel, musste ich mir erst einmal Lichtquellen besorgen. Im Schein von Weihnachtskerzen habe ich dann meine Arbeit weiter gemacht.

Das Wasser stieg kontinuierlich weiter und die Geräuschkulisse in der Umgebung wurde sehr beängstigend. Die normalen Stadtgeräusche fehlten völlig, dafür hörte man die Wasserströmung und wusste das es noch nicht vorbei ist. Große Ölfässer trieben die Straße entlang und polterten bei jeder Umdrehung; überall hörte man Sirenen und Hubschraubergeräusche.

Als es wieder hell wurde, sah ich eine riesige Baumwurzel die zur gegenüberliegenden Tankstelle getrieben war - da wurde mir erst die Kraft des Wassers bewusst. Man konnte sehen wie sich das Wasser in Wellen zurückzog um gleich darauf wieder etwas höher zu erscheinen. Es schwammen allerlei lustige Sachen am Fenster vorbei, wie Großpackungen Paprika und Majoran aus der naheliegenden Kantine, aber auch Kanister mit gefährlichen Stoffen.

Abgesehen von mir, war nur noch unser Pannenfahrer Herr Brückner im Haus. Wir waren natürlich für eine solche Extrem-Situation völlig unvorbereitet und hatten folglich auch nicht genug zu Essen und trinken dabei. Mein Kollege ist Diabetiker und muss nach Einnahme seiner Medikamente etwas essen - also hatte ich meine "Schnitten" für ihn aufgehoben.

So lange der Akku vom Funkgerät durchhielt, hatten wir noch Kontakt zum Chef und dem Rest der Firma, dessen Lager zwischenzeitlich in der Auto-Werkstatt "Auto-Haus Legend" (das Gebäude befindet sich in einem anderen, höher gelegenen Stadtteil) errichtet worden war. Daher wussten wir, dass Hilfe für uns organisiert wurde: es hieß, es würde ein Schlauchboot kommen.

Das letzte Getränk im Kühlschrank, eine Flasche Sekt haben wir uns geteilt und haben am Fenster der Dinge geharrt, die da noch kommen mögen. Wir konnten uns nicht vorstellen, wie bei dieser starken Strömung ein Boot bis zu uns vordringen sollte, haben aber voller Galgenhumor den alten Gassenhauer "Es kommt ein knallrotes Gummiboot" angestimmt (vielleicht war der Sekt doch keine so gute Idee...).

Mittags hat sich mein Kollege dann hingelegt um etwas zu schlafen. In der Zwischenzeit merkte ich das man das Hauptfunkgerät auch an eine Autobatterie anklemmen kann. Dadurch hatte ich dann ständigen Kontakt zum Rest der Firma und erfuhr, dass wegen der starken Strömung das Boot des THWs es nicht geschafft hatte, bis zu uns durch zu kommen. Ich stellte mich innerlich schon auf eine weitere Nacht ein.

Nachmittags kam aber dann die Information, dass Herr Hiehle (mein Chef) einen Hubschrauber organisiert hatte, der uns abholen sollte. Gegen 16 Uhr war es dann endlich soweit: ein Hubschrauber landete auf dem Dach!

Da wurde es aber noch mal richtig interessant, weil wir nämlich von innen nur über eine Dachluke mit einer Leiter hinausklettern konnten. Also kletterte ich die Leiter hoch und als ich gerade zur Dachluke rauskuckte, rutschte die Leiter unter mir weg. Mein Kollege versuchte mich samt Leiter festzuhalten und zwei Sanitäter zogen mich nach draußen.

Das war für alle Beteiligten - besonders für die schmächtigen Sanitäter - ein ganz schöner Kraftakt (ich zähle nicht gerade zu den "Leichtgewichten" der Nation), zumal ich vor lauter Beklemmung extrem hyperventilierte.

Meine Aufregung wurde aber dafür mit dem ersten Hubschrauberflug meines Lebens, zur nahegelegenen Nossener Brücke, belohnt. In zwei weiteren Flügen wurden dann mein Kollege, unser Hund Max und die Angestellten der gegenüberliegenden Tankstelle ausgeflogen.

Nach einem kurzen medizinischen Check wurde ich dann nach Hause gebracht.

 

Fazit:

Als Strom-verwöhnter Mensch ist es ziemlich unheimlich wenn nichts mehr geht und man den Gewalten der Natur gegenüber steht. Nachdem ich die ersten Bilder vom ganzen Ausmaß des Hochwassers gesehen hatte, war ich aber ziemlich dankbar, dass wir noch so glimpflich davon gekommen waren.

 S.Wallrabe, im August 2002  

 

 





 
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